Sepulkralkultur: das zeigen von Trauer früher und heute.

Trauerknöpfe aus Kunststoff (50-er Jahren)
Trauerknöpfe aus Jett (1870 – 1940)
Schwermut und Schoenheit

Schwermut und Schönheit. Als
die Menschen Trauer trugen.

Natascha N. Hoefer, 2010

Das Buch ist herrlich zu lesen.
Wer hier eine trockene Darstellung
der Trauerkleidung im Laufe der
Jahrhunderte erwartet, der wird
schon nach der Lektüre der ersten
Seiten eines Besseren belehrt.
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Trauerkleidung als Vermummung

Von alters her, auch schon in primitiven Zeiten, war es für die Verwandten üblich sich nach einem Sterbefall anders zu kleiden und eventuell das Antlitz hinter einem Schleier zu verstecken. Das war nicht sosehr eine Äußerung der Traurigkeit als vielmehr eine Vermummung. So versuchte man die Aufmerksamkeit der Geister von der abreisenden Seele abzulenken und sich gegen sie zu schützen, indem man ähnlich aussah wie sie.

Trauerfarbe Weiß zur Abwehr

Aus diesem Grund war die Trauerfarbe in Europa ursprünglich Weiß. Einen Geist oder ein ´Gespenst´ sieht man auch wie eine weiße Erscheinung. weiß ist daher immer die Farbe geblieben, um Geister abzuwehren und um tiefe Trauer zu zeigen. Die Dauer der Trauer wurde bestimmt durch die Zeit von der man glaubte, dass eine Seele sie brauche, um das Jenseits zu erreichen. Einmal dort eingetroffen, hatte sie nichts mehr zu fürchten und die Verwandten brauchten sich nicht mehr zu verstecken.

Von der Trauerfarbe Weiß zu Schwarz

In 1498 wählte Anna von Bretagne nach dem Tod ihres Gemahls, Karl VIII von Frankreich, schwarz als Farbe ihrer Trauerkleidung. Dies fand bald Nachahmung. Die Trauergewänder wurden der Mode unterworfen und es entwickelten sich große regionale Unterschiede.

Trauern nach Vorschrift

Trauern hatte einen Zweck, weil es erkannt und anerkannt wurde. Das äußerte sich vor allem in der Trauerkleidung, die, je nach dem Grad der Verwandtschaft, während kürzerer oder längerer Zeit getragen wurde. Für alle Schichten der Bevölkerung - bis zum Hof - lag alles fest. Von den oft ungeschrieben und durch Überlieferung bewahrten Regeln konnte man den Standesunterschied ableiten.

Die Rolle der Königin Victoria bei der Trauerkleidung

In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts erreichte die Trauerkultur - besonders in den Städten- einen Höhepunkt, mit sehr detaillierten Regeln und Codes über Kleidung, soziale Kontakte und Benehmen. Königin Victoria hat hierbei eine wichtige Rolle gespielt. Nach dem Tode ihres Ehemannes Albert 1861, befahl die Britin ihrem Volk schwarze Trauerkleidung zu tragen. Diesem Beispiel folgten große Teile Europas und der Vereinigten Staaten.

Jett und Glas

Speziell der Trauerbekleidung der Damen aus wohlhabenden Kreisen wurde viel Sorgfalt gewidmet. Modeblätter wie das französische
´La Gracieuse´ veröffentlichten Vorschriften wie die Trauerkleidung anzupassen sei. Die benutzten Knöpfe waren, abhängig von der Schwere des Trauerfalls, matt oder glänzend. Die Schönsten - und Teuersten - waren aus Jett, einer Art Kohlenstoff, der in den vielen Werkstätten in Whitby (Großbritannien) zu Knöpfen, Korallen und Schmuckstücken. Eine erschwingliche Alternative waren geschliffenes, schwarzes Glas, das mattiert wurde (´französischer Jett´ oder ´Armuts-Jett´). So wurde auch gehärteter Gummi (Kautschuk), der in verschiedenen Formen gepresst werden konnte, verwendet.

Trauerkaufhäuser

Auch das Zubehör wie Nadeln für Taschentücher und Uhrenketten wurden auf Schwarz abgestimmt. In den Etikettebüchern heißt es “pass auf, die Welt urteilt gerade, was die Trauer anbelangt, strenge. Willkürliche Beschränkung erregt Aufsehen”. Mit der Erscheinung größerer Kaufhäuser gab es auch einige, die sich auf Trauerkleidung und -Zubehör spezialisierten. Weil in Deutschland nur wenige Leute ihre eigene Trauerkleidung besaßen, wurde diese meistens gemietet.

Von der Trauerbekleidung über das Trauerband zum Nichts

Nach dem ersten Weltkrieg (1918) nahm das Tragen von Trauerkleidung ab. Für Männer in den Städten wurde es immer schwieriger um, wie der Code es erforderte, ein Jahr und sechs bis acht Wochen nur Schwarz zu tragen. Für Militär- und Angestellte in öffentlichen Funktionen war das sogar unmöglich. Deshalb wurde während der Dauer der Trauer als Alternative ein schwarzes Band um den linken Ärmel gebunden. Manchmal wurde auch ein rautenförmiges Stückchen Stoff auf dem linken Ärmel oder auf die Mütze befestigt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geriet das Zeigen von Trauer, abgesehen von Ausnahmen, komplett außer Mode.

21. Jahrhundert: Bedürfnis nach Erkennen und Anerkennen der Trauer

Mit dem öffentlichem Zeigen der Trauer ist auch die Aufmerksamkeit auf die Trauernden verschwunden. Seit einiger Zeit gibt es aber erneutes Interesse für die Rituale bei der Trauerfeier. Mit dem parlAmore Trauerknopf kann auch das Bedürfnis nach Erkennen und Anerkennen der Trauer wieder sichtbar gemacht werden.

 

Gerne möchte ich meine kleine Sammlung alter Trauerknöpfe ausbreiten: Alte Trauerknöpfe